"Für'n Appel und 'n Ei!? Niedriglöhne in Niedersachsen - Branchenanalysen" geförderte Beschäftigung in der Diskussion" Vorstellung der Studie am 13. August 2009
Der Niedriglohnsektor wächst. Immer mehr Menschen sind nicht in der Lage, von ihrem Einkommen zu leben. Und dass, obwohl sie Vollzeit arbeiten und über eine gute Ausbildung verfügen. Um die Lage in Niedersachsen genauer zu erfassen, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund die Studie „Für'n Appel und'n Ei?!" in Auftrag gegeben. Wissenschaftler des Instituts für Regionalforschung e.V. an der Universität Göttingen haben sie erarbeitet.
Vor mehr als 80 Interessierten stellte Markus Krüsemann, einer der Autoren, die Ergebnisse der Studie am 13. August 2009 im Restaurant Leineschloss im niedersächsischen Landtag vor. Er legte dar, dass 21,5% der abhängig Beschäftigten in Niedersachsen im Jahr 2007 für Löhne unter der Niedriglohnschwelle von 9,62€ gearbeitet haben. Damit hatten mindestens 623.000 Niedersachsen einen Billlig-Job - Tendenz steigend. Vor allem Frauen sind stark von dieser Entwicklung betroffen, denn 70% der Geringverdiener sind Frauen. Problembranchen sind das Bäckereigewerbe, der Einzelhandel, das Wachgewerbe und die Gastronomie. Ein Großteil der Beschäftigten in diesen Bereichen verdient für vollwertige Arbeit kaum mehr als einen Hungerlohn.
„Die Ergebnisse sind erschreckend. Es besteht dringender Handlungsbedarf", sagte Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB in Niedersachsen, angesichts der Ergebnisse der Studie. Durch Niedriglöhne werde nicht nur die Lebenssituation von einzelnen Menschen prekarisiert, sondern auch die auf Einkommen basierenden Sozialsysteme gefährdet.
Den Staat kostet die Subventionierung von Niedriglöhnen durch aufstockende Hartz IV-Mittel jährlich allein in Niedersachsen die horrende Summe von 420 Millionen Euro. Der DGB-Landesvorsitzende forderte die Politik auf, endlich konsequent zu handeln und einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von mindestens 7,50 Euro einzuführen. Dieser müsse als Schutzlinie für Bereiche dienen, in denen Tarifverträge nicht durchsetzbar sind.
Bundestagskandidatinnen und -kandidaten diskutierten mit Gewerkschaftern die Ergebnisse der Studie. Obwohl die Ergebnisse der Studie nicht angezweifelt wurden, herrschte Uneinigkeit über die Notwendigkeit eines gesetzlichen Mindestlohnes.
Sebastian Lechner, Landesvorsitzender der Jungen Union, lehnte Mindestlöhne kategorisch ab. Seiner Meinung nach stellten Mindestlöhne ein Risiko dar, da durch zusätzliche Kosten für Unternehmen Arbeitsplätze gestrichen würden.
Carl-Ludwig Thiele, FDP, bezeichnete Niedriglöhne zwar als sittenwidrig, schloss sich der Forderung nach Mindestlöhnen aber nicht an.
Brigitte Pothmer, Bündnis 90/Die Grünen, Edelgard Bulmahn, SPD, sowie Dieter Dehm, die Linke, waren sich über die Wichtigkeit von Mindestlöhnen einig. Angemessene Löhne würden sowohl den Staat entlasten, als auch die allgemeine Lebenssituation der Menschen verbessern.
Die Vertreter der Gewerkschaften, Bernhard Hemsig (NGG) und Siegfried Sauer (ver.di), betonten, wie wichtig Mindestlöhne notwendig sind, da in einzelnen Branchen tariflose Zustände herrschten und wie von der Studie aufgezeigt Stundelöhne zwischen 4 und 5 Euro gezahlt würden.
Hier finden Sie die Studie in Langfassung (5,5 MB):







